Gehört jemand zu Christus, ist er ein neuer Mensch. Was vorher war, ist vergangen. Etwas völlig Neues hat begonnen. 2.Kor.5,17 

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Liebe Gemeinde,
das Jahr 2019 ist noch jung. „Ich dagegen bin gar nicht mehr jung!“, denken Sie vielleicht. Warum kommen sich heute manchmal schon Dreißigjährige „alt“ vor? Weil sie spüren, dass sie mit dem Jugendlichkeitskult nicht mehr mithalten können? Dass sie so sportlich, so schlank, so cool gar nicht sind? Weil sie wahrnehmen, dass auch schon bei ihnen die Vergangenheit wächst und die Zukunft schrumpft? Altwerden will jeder. Alt sein will keiner. Muss ich also vor meinem Älterwerden kapitulieren bis zum bitteren Ende? Kann mir das neue Jahr vermitteln, was es mit meinem Alter im Blick auf die Zukunft auf sich hat?
Der Jahreswechsel zeigte mir „alle Jahre wieder“: Zeit ist immer Endzeit. Wenn nicht Ende eines Jahres, dann Ende eines Tages oder Ende einer Stunde. „Was Du auch anfängst, es ist der Anfang vom Ende“, heißt es in einem Gedicht. Zeit ist Endzeit. Es ist immer fünf Minuten vor Zwölf. Das macht das Leben so spannend, kostbar und reizvoll, nicht nur, wenn wir die letzten Stunden des alten Jahres feiern. Es ist immer fünf Minuten vor Zwölf. Das gilt für jeden Menschen.
Für den, der mit Jesus Christus lebt, ist es aber zugleich schon fünf Minuten nach Zwölf. Der alte Mensch und die alte Zeit sind noch da, mit allen Fragen und Bedrängnissen. Aber der neue Mensch und die neue Zeit sind auch schon da, mit aller Zuversicht und Freude. Denn wer mit Christus lebt, der ist „neue Schöpfung“ (2 Kor 5,17). Wer nach Christus fragt, vielleicht inmitten von manchen Zweifeln, Angst und Schuld, wer beharrlich bleibt, der trotzt dem „alten Leben“ die Hoffnung ab, den Sinn und die Freude. Auch, wenn ich es vielleicht nicht sofort spüre. Wenn ich versuche, „mit Christus zu leben“, bin ich offen für Überraschungen. Dann muss ich das Leben überhaupt nicht mehr selber schaffen, sondern lebe aus der Gnade und bin frei von gesellschaftlichem Leistungs-, familiärem und nachbarschaftlichem Überwachungsdruck.
Je bewusster ich im Kontakt mit Jesus wahrnehme, dass es fünf vor Zwölf ist, desto mehr kann ich Gespür dafür bekommen, dass es auch bereits fünf nach Zwölf ist. So ist Gemeinschaft mit Gott und seiner nie endenden Lebensfülle nicht nur Zukunft, sondern – Sekunde für Sekunde – Gegenwart: Weil Jesus Christus die entscheidende Wende für mich bereits heraufgeführt hat in seinem Tod und seiner Auferstehung.
Ihr Pfarrer Dr. Moritz Fischer