Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. Prediger Salomo 3,13

Bild im August

 

Liebe Gemeinde,
Ich habe keine Zeit! Mir rennt die Zeit mal wieder davon. Ach, das wollte ich heute noch unbedingt erledigen! Wo ist nur die Zeit geblieben? Zeit zum Ausspannen bleibt wieder nicht! Geht es Ihnen auch so – manchmal oder immer öfter? Wenn nicht, dann gehören Sie zu den wenigen Menschen, die mit ihrer Zeit gut zurechtkommen und auch mal abschalten können.
Dabei muss doch so vieles erledigt und gemacht werden. Aber besteht der Sinn des Lebens wirklich nur in der Arbeit? In den Sprüchen Salomos heißt es doch: „Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr!“ (Sprüche 6,6) Dennoch sagt Jesus in der Bergpredigt: „Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen!“ (Matth.6,34) Dass unser Leben oft aus Mühe und Arbeit besteht, ist auch dem Prediger Salomo („Kohelet“) klar“ „Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat.“ (3,10). Er weiß, dass vieles vergebliche Liebesmüh ist. Er hat vieles ausprobiert – Wohlstand, Haus- und Gartenbau, Reichtum und Streben nach Weisheit – er hat Ent-täuschungen und Erfolge erlebt, aber seine Bilanz lautet: „Alles ist eitel.“ Deshalb rät er uns schlicht: Essen und Trinken, fröhlich sein und guten Mut bewahren trotz aller Termine, Aufgaben und Sorgen.
Das ist so leicht gesagt, aber ich fürchte, wir haben keine andere Wahl, wenn wir unser Leben nicht „verlieren“, den Sinn unseres Lebens nicht verfehlen wollen. Es gibt Wichtigeres als die alltäglichen Zwänge und Notwendigkeiten. Martin Buber meinte: „Ein Mensch, dem nicht an jedem Tag eine Stunde gehört, ist kein Mensch!“ Das gilt nun nicht nur für die Urlaubszeit, die wir auch redlich verdient haben. Stressfreie Momente sollten nicht nur Ausnahme sein, sondern die Regel. Muße, Ruhe, Genuss, Gelassenheit, Zufriedenheit – das sind die göttlichen Elemente des Lebens. Das sind Gottes Gaben. Lassen, loslassen, zulassen – sich beschenken lassen. Der Prediger macht uns Mut zu einem Leben, das sich auch mal was Gutes gönnt, das Zufriedenheit, Freude und Glück kennt, erlebt und weitergibt. Heute nennen wir das ein ganzheitliches Leben. Das hat Breitenwirkung und zieht andere mit. Vielleicht gelingt es uns in den verbleibenden Ferien- und Sommermonaten, die Freude am Leben neu zu entdecken, die Gott uns schenken will.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen angenehme Stunden und Tage!

Ihr Pfarrer Reinhold Röder