Ein Samenkorn - ein Wunder

Die Blätter fallen! Das Wetter ist eher grau in grau! Es wird kälter und regnet oft! Es ist November! Kein anderer Monat erinnert uns mehr an die Endlichkeit des Lebens. Viele bewegt die Frage: Was ist mit unseren Toten?
Ich will eine Geschichte erzählen, die sich auch auf unseren Friedhöfen ereignen könnte. 
Es ist November, eine ältere Frau geht mit ihrem Enkelsohn zum Grab ihres Mannes. Das Grab, vor dem sie jetzt stehen bleiben, ist noch frisch. Es gibt noch keinen Grabstein, nur das Holzkreuz mit dem Namen des Verstorbenen und das Sterbedatum. Die alte Frau macht das Grab winterfest. Oft geht sie zum Grab ihres Mannes. Über 50 Jahre waren sie verheiratet, er fehlt ihr sehr... 
Sie bückt weit nach unten, weil sie ihrem Enkel die Tränen nicht zeigen will. Der Bub schaut das Kreuz an, buchstabiert den Namen seines Opas. Er erinnert sich gut an ihn. Oft haben sie miteinander gespielt. Dann wurde er krank. Und eines Tages sagten ihm seine Eltern ganz traurig, dass der Opa jetzt beim lieben Gott ist. Alle waren sie dann in der Kirche, gingen hinter dem Sarg auf den Friedhof. Dort wurde der Sarg in das Erdloch gelegt und mit Erde zugedeckt. Und schon damals hat der Bub dieselbe Frage gestellt wie jetzt: "Oma, ist der Opa immer noch in der Holzkiste? Wo ist er jetzt? Was ist mit ihm passiert?"  Und wie damals fragt sich die Oma, was sie jetzt ihrem Enkel sagen soll? Wieder die für ihn offenbar unbefriedigende Antwort, dass er beim lieben Gott ist?
In diesem Moment fällt Omas Blick auf ein Grab in der Nähe. Auf dem Stein liest den Bibelvers aus der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel: "Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird." Da wird ihr klar, was sie ihrem Buben sagen kann und was ihr selber in den Monaten der Trauer Trost und Hoffnung gab und gibt: "Weißt du, Opa hat sein ganzes Leben an Gott geglaubt! Und unser himmlischer Vater schafft eine neue Welt, den Himmel Gottes. Dorthin werden alle kommen, die heute, in diesem Leben an Jesus Christus glauben! Alle will Gott bei sich haben! Deshalb halten wir uns an Gott fest, deshalb beten wir, lesen in der Bibel, gehen zum Gottesdienst und tun, was Gott uns sagt!“ Erst hat Oma Zweifel, ob diese Antwort ihrem Enkel genügt?
Aber als sie noch hinzufügt: "Und in dieser neuen Welt geht es Opa gut! Es tut ihm nichts mehr weh!“ - da hört sie den Buben schmunzelnd sagen: "Dann ist das für Opa richtig gut, dieser neue Himmel! Und wenn wir an Jesus glauben, kommen wir auch dorthin und sehen uns alle wieder!" 
Mit diesem Blick auf das Bibelwort auf dem Grabstein hat diese Oma und ihr kleiner Enkel die tröstliche Wahrheit unseres christlichen Glaubens gefunden.
Ja, wir haben Hoffnung auf ein neues Leben nach dem Tod, weil Jesus Christus hat uns das erworben hat. Er ist auferstandenen! Er hat an Ostern den Tod besiegt! Der Glaube und das Vertrauen zu Jesus führen nicht in den Tod, sondern in Leben!
Dieses Wissen, dieser Glaube trösten in den schweren Tagen der Trauer, in den bitteren Erfahrungen der Einsamkeit, in den schmerzenden Erinnerungen beim Gang auf den Friedhof.
Es gibt keine tröstlichere Wahrheit, als diese, damit wir klug werden und leben - hier und in Ewigkeit! 
Bleiben Sie behütet!
Ihr Hans Stiegler, Dekan

Ein Samenkorn ein Wunder